Rückblick Peking
Tag 2 (von fünf Tagen in Peking; 12.-16.4.)
Wir waren noch gefühlsmäßig in der indischen Zeitzone und ohne Toms Anruf, der schon früh zur Arbeit gegangen war, hätten wir wohl den halben Tag verschlafen. Nach einem kleinen Frühstück sind wir mit der U-Bahn zum Himmelspalast gefahren. Das Pekinger U-Bahnnetz ist super ausgebaut, so daß man eigentlich alle Sehenswürdigkeiten bequem erreichen kann. Und eine Fahrt kostet egal wohin immer gleich wenig, immer 2 RMB – also etwa 20 Cent. Bei sonnigem Wetter sind wir durch die riesige, fengshui-yingyang gestylte Parkanlage des Himmelstempels gestreift, haben einer chinesischen Reisegruppe beim open-air Karaoke zugeschaut und ältere Leute wortwörtlich Kartenkloppen spielen sehen.
Beim südlichen Tor verließen wir die Tempelanlage und ließen uns in einem Taxi zum Platz des himmlischen Friedens kutschieren. Direkt gegenüber dieses ereignisreichen Platzes liegt der Eingang zum Kaiserpalast, den wir unter Maos Warze betraten. Im Hof vor dem Kartenverkauf schmatzten wir eine leckere Rindfleischnudelsuppe und waren gestärkt für die Odyssee durch die verbotene Stadt. Die Anlage zeichnet sich durch eine perfekte Harmonie aus und deswegen ist es auch nicht verwunderlich, wenn die einzelnen Gebäude „Palast der himmlischen Harmonie“, oder „Palast der vollendeten Harmonie“ oder auch „Palast der allerallerbesten Harmonie“ heißen. Die Dimensionen sind riesig und am liebsten hätte ich nach der kaiserlichen Trage gerufen.
Eigentlich hatten wir vor durch den Nordausgang rauszugehen und für einen Blick auf den Kohlehügel zu steigen, aber wir waren mit Tom verabredet und eilten darum zurück zum Haupteingang. Bei der nahegelegenen Einkaufsstraße Wangfujing trafen wir auf Tom und flanierten zusammen über die Wilmersdorfer Pekings. Eine der Querstraßen war als Food Street bekannt, weil es dort exotische Knabbereien vom Grill zu kaufen gibt. In unserem jugendlichen Leichtsinn probierten Tom und ich eine Raupe am Spieß, die sich als kulinarischer Reinfall entpuppte. Grün im Gesicht war unsere Experimentierflamme erloschen, bevor sie richtig aufflackerte und wir damit wohl dschungelcampuntauglich.
Zum kulinarischen Glück führte uns Tom weiter zu einem seiner Lieblingsrestaurants mit Spezialität Pekingente, wie passend. Aus einem Bilderbuchmenü wählten wir leckere Vorspeisen und Beilagen zur Ente a la Peking aus. Das Fleisch kam tranchiert an den Tisch und wurde von uns fachgerecht mit etwas Soße und wenig Gemüse in kleine dünne Fladen (Flädchen) eingerollt und dann verschlungen. Wer nicht mit der Zunge schnalzen kann, der lernt es in diesem Restaurant! Für einen Absacker suchten wir noch eine Bar auf, die mit ihrer Wohnzimmeratmosphäre auch gut nach Prenzlauer Berg passen würde. Berlin, bald haben wir dich wieder! Je weiter wir Indien hinter uns lassen, desto größer wird die Vorfreude auf zu Hause.

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