Gleich schultern wir unsere Rücksäcke wieder auf (рюкзак) und fahren mit der Straßenbahn zum Bahnhof von Irkutsk. Dort warten wir auf den Zug, der uns in dreieinhalb Tagen nach Moskau bringen wird – ohne längere Pausen. Vielleicht bekommen wir in der Wartehalle noch eine Borschtsch-suppe, ansonsten haben wir auch genügend Verpflegung für die Fahrt eingekauft. Im Waggon gibt es kochend heißes Wasser für lau und damit konnten wir uns schon auf der zweieinhalbtägigen Fahrt von Peking nach Irkutsk Würstchen warm machen, Tee ziehen lassen und Nudelsuppen kredenzen.
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Die Zeit im Zug werden wir uns wieder Uno- und Skat-spielend vertreiben, die Fenster werden zu Schaufenstern und wir zu windowshoppern. Die erste Hälfte unserer Zugreise führte uns von Peking quer durch China über Harbin an die chinesisch-russische Grenze bei Man Zou Li. Wir hatten kein Visum für die Mongolei (es war schon kompliziert genug die russichen und chinesischen Visas in Mumbai zu bekommen) und dadurch mußten wir einen Schlenker um dieses Steppenland machen. Unterwegs in China sahen wir bei mehreren Städten größere Wohngebiete entstehen, zentrale Mainhattens die Skyline beherrschen und Bahnhöfe, die den Berliner Hauptbahnhof niedlich aussehen lassen würden, aus dem Boden schießen. Das Wachstum scheint auch im Hinterland anzukommen; ein Vorhaben der chinesischen Regierung, um die Harmonie im Land zu gewährleisten. Ab der Grenze änderte sich die Szenerie und auf russischer Seite hatten die Orte oft einen etwas verlasseneren, trostloseren Eindruck. Direkt hinter der Grenze hatten wir über drei Stunden Zeit, während die Züge gecheckt und auf eine andere Spurbreite gebracht wurden (unsere Vermutung), die wir damit verbrachten durch den kleinen Ort zu wandern und in den kleinen magasins Brot und Bier zu kaufen. Mein eingerostetes Russisch kam langsam wieder in Bewegung, auch wenn ich meiner russischen Brieffreundschaft seit über zwanzig Jahren nicht mehr geschrieben habe…
Am folgenden Morgen konnte ich nicht lange schlafen, weil ich im Halbschlaf dachte, das Teilstück zu verpassen, wo wir direkt an der Südwestküste des Baikalsees vorbeifahren. Als der See dann in Sichtweite kam, waren Tom und ich erstmal klein mit Hut. Vor Kerstin hatten wir geprahlt in den See zu hüpfen und nun stellten wir fest, daß wir dazu erst ein Loch in die Eisschicht schlagen müßten, von der Temperatur mal ganz abgesehen. Wenigstens die Landschaft war herrlich: auf der einen Seite der eisbedeckte See, auf der anderen eisbedeckte Berge.
Ab der Angara, dem einzigen Abfluß des Baikalsees, entfernte sich die Zugstrecke vom See und wir näherten uns Irkutsk. Aber dieses schöne Städtchen mit den teils verwitterten, teils sanierten Holzhäusern, den renovierten orthodoxen Kirchen, das sogenannte “Paris des Ostens”, in dem wir drei Tage verbrachten hat einen eigenen Artikel verdient…
Die ersten Bilder zu unserer Nordindienreise durch Himachal Pradesh sind hochgeladen und hier einsehbar (oder über den link in der unübersichtlichen rechten Spalte).
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