Nun ist unser letzter Tag in Indien angebrochen. Anderthalb Jahre gehen zu Ende. Heut abend fliegen wir von Delhi zu Tom nach Peking, um von dort unsere Heimreise anzutreten. Indien hat uns bis zu letzt fasziniert und überrascht. So zum Beispiel gestern.
Wir wurden früh um fünf – schlaftrunken – irgendwo in New Delhi, von Shimla kommend, aus dem Bus gespuckt. Unseren ursprünglichen Plan nach Fatehpur Sikri zu weiter fahren, hatten wir schnell verworfen, weil wir keine lust auf weitere Stunden im Bus verspürten. Stattdessen sind wir zum Rabsel Guesthouse ins tibetische Viertel Manju Ka Tilla gefahren und haben dort wie bei jedem Delhi Besuch eingecheckt. Das Viertel erschien uns diesesmal vertrauter als sonst, waren uns doch die ganzen Dalailamaplakate noch gut aus Mc Leod Ganj, dem Ort der tibetischen xilregierung, in Erinnerung geblieben. Als wir beim Frühstück die Zeitung durchblätterten, fiel mein Auge auf einen Artikel zur IPL, der ersten indischen Cricket Liga. Diese hatte gerade frisch begonnen, u.a. mit dem neuen Team Pune Warriors. Der Spieltag am Sonntag sah ein Spiel in Delhi vor: Delhi Daredevils gegen die Mumbai Indians. Oder mit anderen Worten Virender Sehwag gegen Sachin Tendulkar. Eine Woche hatten beide noch zusammen für Indien den World Cup gewonnen. Nun ein Spiel mit dn beiden im Feroz Shah Kotla Stadion in Delhi – das war unsere letzte Chance doch noch ein Spiel live zu sehen.
Zuerst hab ich erfolglos versucht bei einem der Ticketshops an Karten ranzukommen. Dann beschlossen wir direkt zum zentral gelegenen Stadion zu fahren und dort unser Glück zu versuchen. Auf der Erfolgswelle des Worldcups reitend, zum ersten mal hatte eine Heimmannschaft den Titel geholt, konnten die Clubs der IPL ordentliche Ticketverkäufe verbuchen und wir waren nicht sicher ob es überhaupt noch freie Plätze gab. Die Riksha ließ uns direkt vor dem Stadion raus und zum Glück ist Indien manchmal leicht ausrechenbar: zwei Hobbybroker kamen auf uns zu und boten uns Karten an. Zwar zu einem seichten Aufschlag, aber das war es allemal wert. Die Karten waren für indische Verhältnisse recht teuer: die günstigsten gab es für 500 Rs (Wochenendzuschlag) – das entspricht in Pune dem Lohn einer Reinigungskraft oder eines Watchmans für zweieinhalb Tage Arbeit.
Wir hatten noch etwa vier Stunden Zeit bis zum Spiel, in denen wir mit der Metro zum Qutab Minar gefahren sind. Dort gibt es den größten steinernen Turm und die Überreste einer Moschee aus der Zeit der ersten Sultane von Delhi zu sehen. Alles in einem gemütlichen Park, der am Sonntag gut besucht war. Kerstin hört eine indische Mutter, die ihre zwei grundschulalten Kinder auf eine erklärende Tafel mit geschichtlichen Daten aufmerksam machte, von ihrem Mann zurechtgewiesen werden, indem dieser sinngemäß sagte: ‘Warum sollen sie das wissen? Wozu ist das wichtig? Die Zukuft ist wichtig!’ Indien hat manchmal chinesische Züge…

im Feroz Shah Kotla Stadion
Zurück beim Stadion hatten wir riesige Probleme unseren großen Fotoapparat durch die Kontrollen zu bekommen. Ein besonders eifriger Beamter wollte mir sogar mein Buch wegnehmen, man könne es werfen. Eigentlich waren auch Münzen verboten. aber so genau nahmen sie es dann doch nicht. Da es keine Schließschränke gab, wußten wir nicht weiter. Raus konnten wir nicht mehr, weil unsere Karten schon eingescannt waren. Mit viel Verzweiflung und Ratlosigkeit im Gesicht kam uns ein Beamter am Scanner zur Hilfe, bei dem wir unsere Sachen während des Spiels lassen konnten. Erleichtert sind wir ins recht große Stadion auf die obersten Ränge. Bis zum Spilbeginn war das Stadion voll und die Stimmung freudig gespannt. Da die indische Cricketliga in ihren zwei Monaten Spieldauer eine Menge Geld umsetzt, zieht sie die Topstars aus allen Ländern an. Das heißt die australischen, englischen usw. Betsman und Bowler kommen nach Indien und spielen für die Chennai Super Kings, die Royal Challengers aus Bangalore oder eben die Delhi Dare Devils. Da wir viele Spiele des letzten World Cups gesehen hatten, erkannten wir einige Spieler in den Reihen der beiden Mannschaften wieder: Habarjan Singh-der Sikh aus der indischen Nationalmannschaft, Malunga-der Bowler, dessen Bälle bis über 140km/h schnell sind, aber vor allem natürlich Sehwag und Tendulkar.

verrückte Fans
Die Daredevils aus Delhi verloren letztendlich, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Live ist das Spiel ganz ansehnlich – mal recherchieren, wie die Cricketszene in Berlin so aussieht.
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